Samstag, 30. September 2017

Potaje de vigilia - Fastensuppe - Religionen der Welt kulinarisch


Die Potaje de vigilia ist eine dicke Suppe, die in Spanien traditionell in der Osterwoche am Karfreitag gegessen wird. Heutzutage schmeckt aber auch in jeder anderen kühleren Jahreszeit sehr gut.

Die Ursprünge dieser Suppe sind schon im Mittelalter zu finden, als man mangels anderer Kühlmöglichkeiten den Kabeljau einsalzte oder lufttrocknete. So konnten die Spanier auch im Inland Fisch essen. In einem Vertrag aus dem Jahr 1354 vereinbarte das spanische Königshaus mit den englischen und schottischen Königen, daß die Fischer aus dem nordspanischen Golf von Biskaya in englischen und schottischen Gewässern Kabeljau und Dorsch fischen durften.
Vom 15. Jahrhundert an war der Bacalao in den Vorratskammern der spanischen Klöster und Abteien so häufig zu finden, daß der Kabeljau den Namen abadejo bekam, nach dem spanischen Wort für Abtei, abadía. Dere eingesalzene Kabeljau oder Dorsch wurde in Spanien populärer als jeder andere Fisch, da er sich, richtig gelagert, jahrelang hielt und auch längere Reisen unbeschadet überstand.

Hauptzutaten sind Kichererbsen, Spinat und Bacalao. Sie ist fest in der Fastenzeit verwurzelt. Im 4. Jahrhundert begann die Fastenzeit am Aschermittwoch und dauerte bis in die Nacht des Gründonnerstag, also genau 40 Tage bis Ostern.
Ursprünglich trug die Suppe den langen Namen Potaje de Bacalao con Garbanzos y Espinacas (Dicke Suppe mit Bacalao, Kichererbsen und Spinat). In unserer schnelllebigen Zeit nennt man man sie nun Potaje de vigilia.
Bekanntlich war ja in der Fastenzeit der Konsum von Fleisch und Wurst von der katholischen Kirche verboten. Das kam der Bacalao gerade recht, um das fehlende Protein zu ersetzen. Proteine bringen auch die Kichererbsen, die obendrein noch ordentlich sättigen.

Diese Fastensuppe ist mein Last-minute-Beitrag für den Event, den Peter G. Spandl unter dem Thema "Religionen der Welt kulinarisch - Reformationsjahr 2017" in seinem Blog Aus meinem Kochblog veranstaltet.
Ich hätte ja lieber ein maurisches oder sephardisches Rezept veröffentlicht. Doch die Katholischen Könige Isabela und Fernando hatten im 15. und 16. Jahrundert in ihrem unerbittlichen Kreuzzug gegen Muslime und Sepharden (spanische Juden) offensichtlich so gründlich aufgeräumt, daß ich trotz ausgiebigen Suchens kein maurisches oder sephardisches Rezept in der spanischen Küche fand, das in irgendeiner Form mit religiösen Festen verbunden ist.
Luther kann von Glück sagen, daß er im weit entfernten Deutschland wohnte, denn sonst hätte ihn der grausame Großinquisitor Tomas de Torquemada wegen Ketzerei auf den Scheiterhaufen geschickt, und es hätte keine Bibelübersetzung ins Deutsche gegeben.

Auch in Spanien versuchte man im 16. Jahrhundert die Bibel in die Volkssprache castellano zu übersetzen. 1569 erschien die erste komplette Übersetzung, die sogenannte Biblia del Oso. Übersetzer war der Hieronimitenmönch Casiodoro Reina aus Sevilla. Sein Kollege Cipriano de Valera fungierte als Korrektor. Auf der Titelseite dieser Bibel befand sich eine Illustration, die ihr den Namen Bärenbibel gab. Ein Bär versuchte auf einen Baum zu klettern, um dort vom Honig eines Bienenkorbes zu naschen. Der Illustrator war der Buchdrucker Mattias Apiarius aus Bern.
 Diese weltliche Illustration hatten die beiden Mönche gewählt, da es in jener Epoche strikt verboten war, den heiligen Text in die lokalen Sprachen zu übersetzen. Deswegen wurden die beiden Mönche verfolgt und flohen in die Schweiz. 1569 wurde die übersetzte Bibel in Basel publiziert. Nach ihrer Flucht wurden Casiodoro und Ciprioano in Abwesenheit wegen Häresie zum Tode verurteilt. 1562 verbrannte die katholische Inquisition in einem Acto de fé ein Bild der Mönche auf dem Scheiterhaufen, weil sie ihrer nicht habhaft werden konnte. Die Bibelübersetzung kam auf den Index der verbotenen Bücher.
Später gab es noch mehrer vergebliche Vesuche, die Bibel aus dem Lateinischen ins Kastilische zu übersetzen. Erst seit 1960 gibt es eine offizielle Version in der spanischen Landessprache. So ist es nicht verwunderlich, daß die Spanier wenig bibelfest sind.

Potaje de vigilia - Fastensuppe
500 g getrocknete Kichererbsen
1 Zwiebel
1 grüne Paprikaschote
1 Karotte
2 rosa Knoblauchzehen
Und dann noch:
400 g Kabeljaufilet oder Bacalao
300 g frischer Spinat
1 kleine Zwiebel
1 rosa Knoblauchzehe
1/4 TL Pimentón de la Vera dulce oder
1/4 TL Pimentón de la Vera picante
1 hart gekochtes Ei
Olivenöl nativ extra
Meersalz

Wer Bacalao (Klippfisch) verwendet, muß ihn vor dem Zubereiten mindestens 36 Stunden entsalzen. Das Wasser wird alle sechs Stunden gewechselt.

Kichererbsen über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Am nächsten Tag das Wasser abschütten.

Zwiebel und Knoblauchzehen häuten und grob hacken. Paprikaschote putzen. In Würfel schneiden. Karotte schälen. In grobe Stücke schneiden.

Circa 1 l Wasser aufkochen. Abgetropfte Kichererbsen und vorbereitetes Gemüse ins kochende Wasser geben. Aufkochen lassen und bei mittlerer Hitze zugedeckt circa 45-50 Minuten kochen. Abschütten und etwas Kochflüssigkeit ( circa 100 ml) auffangen. Durch eine Flotte Lotte geben oder mit dem Purierstab nicht zu fein pürieren. Eventuell etwas Kochflüssigkeit zugeben, wenn die Suppe zu dick ist. Eventuell leicht salzen. Suppe auf dem Herd warmhalten.

Zwiebel und Knoblauch häuten und fein hacken. 2-3 EL Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Knoblauch und Zwiebel im heißen Öl bei schwacher Hitze unter Rühren 5-6 Minuten anschwitzen. Fisch zugeben und zugedeckt in circa 5 Minuten garziehen lassen. Fisch herausnehmen und grob zerpflücken. Zwiebel-Knoblauchmischung unter die Suppe rühren.

Spinat waschen. Tropfnaß in einen Topf geben und zusammenfallen lassen. In ein Sieb schütten und abtropfen lassen. Das restliche Wasser gut ausdrücken. Spinat grob hacken. Gekochtes Ei schälen, grob hacken.

Suppe auf vier tiefe Teller verteilen.  Mit gehacktem Spinat, Fisch und Eiern bestreuen. Zum Schluß mit Pimentón de la Vera bestreuen. Das habe ich, wie man auf dem Foto sieht, in der Eile vergessen.



Religionen der Welt kulinarisch – Reformationsjahr 2017

Kommentare:

Aus meinem Kochtopf hat gesagt…

Danke Margit,
für Deinen sehr interessanten Beitrag, speziell das mit der Bibelübersetzung habe ich noch nie gehört, und Dein leckeres Süppchen.

Ja, ja, der Mensch war schon immer erfinderisch, wenn es darum ging Regeln zu umgehen. Und sei es nur Fleisch durch Fisch zu ersetzen.

Hat mich sehr gefreut, dass es noch geklappt hat. Mit dem Blog-Event und Dir ;-)

Mit leckerem Gruß
Peter

Margit Kunzke hat gesagt…

Danke Peter, Da scheint es, was Bibelübersetzungen anbelangt, im 16. Jahrhundert in Europa ganz schön rumort haben.
Gruß aus Spanien