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Montag, 26. Januar 2015

Bunte Reispfanne, schön scharf

Gemüse und Obst kaufe ich meist auf unserem samstäglichen Wochenmarkt. Das Angebot an Saisongemüse ist groß und oft verführerisch. Da kommt es hin und wieder vor, daß ich trotz meines Einkaufszettels, mehr Gemüse kaufe, als wir in der Woche essen können. Trotz sorgsamer Aufbewahrung im Gemüsefach meines Kühlschranks oder in der Speisekammer, sieht das Gemüse spätestens donnerstags nicht mehr ganz so taufrisch aus. Weggeworfen wird selbstverständlich nichts.  Solches Gemüse lässt sich nämlich wunderbar als vegetarische Sauce zu Nudeln oder in bunten Reispfannen verarbeiten.
Bunt waren sowohl das Gemüse als auch der Reis. Ich habe eine Mischung aus weißem Langkornreis, rotem Camarguereis und schwarzem Reis genommen. Die Schärfe der frischen, gelben Chilischote hatte ich allerdings unterschätzt. So war die Reispfanne nicht nur schön bunt, sondern auch ordentlich scharf. Das freute besonders die Liebste des besten aller Testesser. Sie mag scharfes Essen.
Gar nicht begeistert waren die Hühner von diesem Essen. Sie sind nämlich der festen Überzeugung, daß Gemüse, das nicht mehr ganz knackig ist, ausschließlich für sie bestimmt ist. Diesmal gingen sie leer aus. Beleidigt zogen sie von dannen und taten sich aus Rache am frischen Grün der gerade ausgekeimten Radieschen gütlich.
Bunte Reispfanne, schön scharf
Verschiedene Gemüse (ich nahm rote und grüne Paprikaschoten, Artischocken, jungen Knoblauch, Austernpilze, 1 frische, gelbe Chilischote, etc.)
Olivenöl nativ extra
circa 180 g Reis 
1 TL Raz el Hanout
2-3 Kardamomsamen
1-2 Sternanise
Orangensalz

Das Gemüse großzügig putzen und in mundgerechte Stücke schneiden. Artischocken entblättern, die Spitzen abschneiden, das Herz achteln. Chilischote längs aufschlitzen, die Samen entfernen. Das Fruchtfleisch in schmale Streifen schneiden. Die Kapseln der Kardamomsamen aufbrechen.

Olivenöl in einer tiefen Pfanne erhitzen. Zuerst den Knoblauch im heißen Öl 2-3 Minuten bei mittlerer Hitze anschwitzen. Dann die Artischockenachtel zugeben und weitere 2-3 Minuten mitbraten. Nun das restliche Gemüse, die Gewürze und Raz el Hanout zugeben. Unter Rühren noch ein paar Minuten anbraten.

Den trockenen Reis in die Pfanne füllen und unter Rühren glasig andünsten. Heißes Wasser auffüllen, Orangensalz zugeben und aufkochen. Zugedeckt circa 30-35 Minuten bei schwacher bis mittlerer Hitze köcheln, bis die Flüssigkeit vom Reis aufgesogen ist.

Freitag, 17. Mai 2013

Calamaretti gefüllt mit Gemüsereis

Calamares oder Calamaretti zählen in Spanien zu den am meisten konsumierten Kopffüsslern. Ob als Tapa, Salat, gefüllt, frittiert oder gerillt, man hat sie gern auf dem Teller. Auch frische Calamares haben ihre Saison. Am besten schmecken sie in den kühleren Monaten, d.h. von Oktober bis Ende Mai. Da Calamares sich, gut geputzt, auch wunderbar tiefgefrieren lassen, kann man sie auch in der wärmeren Jahrezeit auf den Tisch bringen, z.B. als frischen Salat mit Muschelnudeln und Tomaten.

Zwecks Größenunterscheidung belegen spanische Köche die Calamares mit drei verschiedenen Namen: Die ganz kleinen Exemplare heißen puntillas, die mittelgroßen chipirónes und die ausgewachsenen sind dann die calamares.
Calamares haben eine eigenartige Form der Vermehrung, die sich von der anderer Meeresbewohner unterscheidet. Zum Zwecke der Prokreation trifft sich eine große Gruppe von Calamares Männchen und Weibchen zu einer Art Unterwasser Party. Da die Herren Frühaufsteher sind, beginnen sie in der Morgendämmerung die Damen werbend zu umkreisen. Wenn dann die Sonne aufs Meer scheint, erwärmen sich offenbar die Weibchen und suchen sich ein Calamar-Männchen aus dem Kreis aus. Das freut den Auserwählten so, daß er begeistert die Farbe wechselt. Nach diesem ausgiebigem Vorspiel legt das Männchen seine in Spermatophore, d.h. Kapseln verpackten Spermien mit einem seiner acht Arme, dem Hectocotylus, in die Mantelhöhle des Weibchens. Bis zu 70.000 Eier kann das Weibchen dann auf einen Schlag  befruchten und "legen". Ist der Nachwuchs einmal geschlüpft, reicht es den Calamares Eltern. Sie überlassen das Jungvolk ihrem Schicksal.
Jetzt hoffe ich nur, daß diese Vermehrungsgeschichte kein Anglerlatein ist, denn sie wurde mir von einem spanischen Fischer aus meinem Dorf erzählt.
Calamaretti gefüllt mit Gemüsereis
4 küchenfertiger Calamaretti
4 Tomaten oder gehackte Tomaten aus der Dose
Für die Füllung (reicht für 4-5 mittelgroße Calamaretti) :
4 grüne Bratpaprika, das sind die länglichen Spitzpaprika, auch italienische Paprika genannt
1 kleine Zwiebel
1 Knoblauchzehe
4 getrocknete Tomaten
4-6 Kumquats
1 Orange
Orangensalz
4-6 EL gekochter Reis
2-3 Zweige Thymian
½ - 1 TL Raz el Hanout
Olivenöl

Paprikaschoten putzen und in kleine Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch häuten und fein hacken. Kumquats halbieren. Das Innere entfernen, die Schale in feine Streifen schneiden. Getrocknete Tomaten in kleine Würfel schneiden. Thymianblättchen von den Stielen streifen.
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Reisgemüsefüllung
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebel- und Knoblauchwürfel im heißen Öl bei schwacher Hitze 3-4 Minuten glasig anschwitzen. Paprika- und Tomatenwürfel Bowie die Kumquatstreifen zugeben. Unter Rühren 5-6 Minuten braten. Mit dem Saft der Orange ablöschen und weitere 6-8 Minuten braten, bis die Flüssigkeit ganz verdampft ist. Das Gemüse sollte noch einen leichten Biß behalten. Kräftig mit Orangensalz und Raz el Hanout würzen. Thymianblättchen und Reis unterrühren.

Calamaretti mit Hilfe eines Teelöffels mit dem vorbereiteten Gemüsereis füllen. Mit Zahnstochern verschließen.

Tomaten kreuzweise einritzen, mit kochendem Wasser überbrühen, kalt abspülen, häuten und in feine Würfel schneiden. Oder außerhalb der Saison gehackte Tomaten aus der Dose verwenden. Die Flüssigkeit vorher abgießen.

In einer Pfanne Olivenöl erhitzen. Die Calamaretti von allen Seiten anbraten. Tomatenwürfel zugeben, leicht salzen und mitbraten. Zugedeckt circa 20-25 Minuten schmoren.

Montag, 4. März 2013

Paella valenciana - Duell der Giganten - Duelo de los gigantes



Die gastronomische Gruppe PIG (Plataforma de Intercambio Gastronómico), zu der ich gehöre, mit dem Journalisten und Buchautor Paco Alonso an der Spitze (der Promotor und Schöpfer der Gruppe) hat das Jahr 2013 zum Internationalen Jahr der Paella (2013 Año Internacional de la Paella) erklärt. Wir wollen die Paella zu einem Sinnbild und Emblem machen, auf das wir stolz sind, ohne dabei den Humor und die gute Laune zu verlieren. Die Paella ist zwar längst eine International bekanntes Gericht. Doch es ist auch an der Zeit einmal klarzustellen, woraus eine echte PaellaValenciana besteht, wie man sie zubereitet und welches die Zutaten sind, die man traditionell dazu verwendet.

El grupo PIG al que pertenezco (Plataforma de Intercambio Gastronómico) y con Paco Alonso a la cabeza (el promotor y creador del grupo) hemos declarado el 2013 como el Año Internacional de la Paella: queremos promocionarla, hacer de ella un emblema del que estemos orgullosos pero sin perder el buen humor. Dado que es un plato internacionalmente conocido ya es hora que digamos qué es, cómo se hace y cuales son los ingredientes que tradicionalmente se utilizan.




Unter zahlreichen Veranstaltungen, die zu diesem Thema im Laufe des Jahres 2013 stattfinden werden, gehörte auch dieses Paella Wettkochen zweier Ausländer, von Spaniern auch liebevoll guiris genannt. Riki, der die britische Fraktion vertrat, lebt schon fast ein Jahrzehnt in der Nähe von Valencia. Er bemüht sich, seinen Landsleuten nicht nur das authentische valencianische Essen nahezu bringen, sondern auch den ausgezeichneten valencianischen Wein. Ich vertrat die deutsche Fraktion. Fast ein Drittel meines Lebens lebe ich in der Comunidad Valenciana und beschäftige mich mit Land und Leuten und vor allem der valencianischen und spanischen Küche. Zwar habe ich schon 1000mal zugeschaut, wie man eine Paella Valenciana kocht, aber im Gegensatz zu Riki noch nie eine Paella selbst zubereitet. 

Entre los numerosos eventos sobre el tema durante el año 2013, hubo el I. Duelo Paella Guiris Grupo P.I.G. Dos extranjeros, los que llaman los Españoles cariñosamente guiris, tuvieron que preparar una auténtica Paella Valenciana. Riki, representante de los Británicos y yo, para los Alemanes. Riki lleva ya casi una década cerca de Valencia. El no solo se esfuerza aproximar a sus compatriotas la gastronomía valenciana sino también el excelente vino valenciano. La representante de la fracción alemana era yo. Llevo casi una tercera parte de mi vida en la Comunidad Valenciana, y me dedico a la gastronomía valenciana y española. A decir la verdad: He mirado mil veces como se cocina una paella, pero nunca preparé una paella. Al contrario Riki tiene mucha experiencia cocinando paellas.

Die Teilnehmer: Paco, Margit, Riki y Alfonso...  




Damit auch alles seine Richtigkeit hat, hat man uns erfahrene Helfer zugeteilt, sogenannte pinches. Alfonso Martínez stand Riki mit Rat und Tat zur Seite und Paco Alonso mir. Ohne Paco wäre ich sicher verloren gewesen, denn eine Paella Valenciana für 20 Gäste zubereiten, ohne praktische Erfahrung, wäre sicher schief gelaufen. So habe ich dank Paco und der anderen Beteiligten nicht nur einen herrlichen Tag verbracht, sondern viel gelernt.
Para que todo tuviera su veracidad, nos asignaron unos pinches con mucha experiencia. Alfonso Martínez como pinche de Riki, y Paco Alonso como mi pinche. Para decir la verdad: Sin Paco me hubiera perdido, porque preparar una paella valenciana para 20 comensales sin experiencia alguna hubiera sido un fracaso. Muchísmias gracias Paco. Hemos pasado un día estupendo y gracias a Paco y los demás he aprendido muchismo.

Los geht's, zuerst die Vorbereitungen - Manos a la obra primero los preparativos.......
Artischocken werden geputzt - se limpian las alcachofas.......

Rohe Tomaten werden gerieben - se ralla los tomates crudos..................
Das Feuer wird entzündet - se enciende el fuego .......................
Zuerst kommt das Fleisch in die Paella - primero la carne.......


Zuerst muß das Fleisch, Ente, Huhn und Kaninchen langsam mit Gefühl aber kräftig goldbraun angebraten werden - hay que dorar lentamente pero muy bien la carne, pato, pollo y conejo, mas los menudillos para los cocineros...


 
Dann kommen die Bohnen in die Paella  - y ahora las judías troceadas...



    



 - das Ganze immer wieder schön umrühren - hay que mover todo a menudo.....


Riki bekommt gute Ratschläge von seinem Helfer Alfonso - el pinche Alfonso da buenos consejos a Riki
Paco stärkt sich mit einem Bier - Paco se refuerza con una cerveza
Das Feuer, aus Orangenholz brennt ausgezeichnet - se mantiene muy bien el fuego......
Das sieht doch schon mal gut aus - ya tiene buena pinta...............
Wo Rauch ist, könnte auch eine Paella sein - Donde hay humo, hay paella.......
Alles ist angebraten, nun kommen Wasser oder Brühe zu Fleisch und Gemüse - despues de freir la carne y la verdura, echamos el agua o el caldo.......................
und wieder rühren - y remover otra vez.......

Der Reis ist jetzt drin, nun heißt es bei starker Hitze 7-10 Minuten kochen - el arroz está dentro, y ahora hay que cocinar a fuego vivo unos 7-10 minutos.....



Um das begehrte Socarrat zu bekommen, das ist die knusprig braune Kruste am Boden der fertigen Paella, stellt man die Paella kurz bevor sie fertig ist noch 1-2 Minuten direkt in die Glut -

Para obtener el socarrat hay que poner la paella  durante los últimos minutos de cocción para 1-2 minutos directamente a la brasa…


Die Paella Valenciana ist fertig und darf nun noch 5-10 Minuten unter Zeitungspapier ruhen - La Paella valenciana está lista y tiene que reposar unos 5-10 minutos bajo papel de periodico......
So sieht sie aus, die fertige Paella von Paco und Margit  - eso es la paella de Paco y Margit.......................
und das sind die beiden Paellas von Riki und Margit - las dos paellas de los dos concursantes Riki y Margit................................
Sieht doch wunderbar aus, oder? - Tiene muy buena pinta ¿verdad?................................
Essen ist fertig!!! - Guten Appetit - ¡ A comer! ¡ Bon Profit!...........................
And the winner is: Riki...Herzlichen Glückwunsch - enhorabuena - congratulations !!!!
Zum Nachtisch frisch gepflückte valencianische Orangen - naranajas valencianas recién cogidas como postre.........................................
Riki und Margit, die Paellaköche - Riki y Margit los cocineros de la paella...............

Das Duell der Giganten, den einzigen Dampf den es gab, war der von der kochenden Paella, ein toller Tag - El duelo de los gigantes, el único humo salió de las paellas - lo hemos pasado bomba.............


Bye the way Riki, there will be a revenge...übrigens Riki, es wird eine Revanche geben ...por cierto Riki, habra revancha ;-)


Y last but not least: Mi agradecimiento a Vicent Lluch y Nandi Hernández por hacer posible lo imposible en su huerto ....Mein Dank gebührt vor allem Vicent Lluch und Nandi Hernández, die das Unmögliche möglich machten. Die beiden sind Teil einer Gruppe namens Descubre l'horta, was man im weitesten Sinn mit "Entdecke den Gemüsegarten" übersetzen könnte. L'horta oder auch la huerta ist die traditionelle Gemüse- und Obstanbauzone rund um Valencia, die wie vieles in Spanien, u.a. durch ausuferndes Bauen bedroht ist. Descubre l'Horta ist ein kulturelles und gastronomisches Projekt mit dem Ziel, diese fruchtbare und schöne Region rund um Valencia wieder zu entdecken, ihre Traditionen und Gebräuche bekannt zu machen und auch den Nicht-Wissenden das Zubereiten einer echten Paella Valenciana beizubringen...


Wer das Duell auf einem kurzen Video anschauen will, kann das hier in Youtube  (in Spanisch, Englisch und Deutsch) tun....
 















Mittwoch, 27. Februar 2013

Aprikosen gefüllt mit Reis und Lammfleisch gewürzt mit Piment



Feinschmecker sagen, die türkische Küche sei eine der reichsten Küchen der Welt. Sie gehört mit der französischen und der chinesischen Küchen mit zu den drei größten Küchen der Welt. In der türkischen Küche begegnen sich Orient und Okzident. Der Gaumen wird verwöhnt mit für uns geheimnisvollen Speisen und vielen Süßigkeiten. Sie umfasst eine grosse Auswahl an Suppen, Vorspeisen, Gemüse- und Fleischgerichten, Reisspeisen (Pilavlar) und Salaten, sowie an köstlichen Desserts (Tathlar) und viel Obst (Meyva).  
Entstanden ist sie aus einer Vermischung der persischen, indischen, osmanisch-arabischen Küche, der Kochtradition der Mittelmeerbewohner und der armenischen. Speziell die osmanische Küche war für die heutige türkische Gastronomie prägend. Die türkische Küche ist würzig, aber nicht scharf. Gewürze werden in für unseren Gaumen noch exotischen Kombinationen gern verwendet: Piment,  Safran, Zimt, Nelken, etc. kommen auch bei Fleischgerichten, Suppen und Reisgerichten zum Einsatz. Auch Nüsse, Mandeln, Pinienkerne, Korinthen, Rosinen und Knoblauch sind gerne verwendete Zutaten. Dazu gesellen sich frische Kräuter wie Petersilie, Thymian, Minze Dill und Lorbeer. Häufig finden- wie in allen arabisch geprägten Küchen - frische oder getrocknete Früchte in gekochten Gerichten, oft als Beilage zu Fleisch und Fisch Verwendung.
Aprikosenblüte
Eine dieser Früchte ist die Aprikose. Das größte Aprikosenanbaugebiet der Welt liegt in der osttürkischen Provinz Malatya, am Oberlauf des Euphrat. Dort werden die kleinen, süßen türkischen Aprikosen entsteint und als ganze Frucht getrocknet. Mittlerweile stammen ca. 95 % der in Europa gehandelten getrockneten Aprikosen aus Malatya. Trocknen ist eigentlich ein recht schonendes Konservierungsverfahren. Es verändern sich beim Trocknen jedoch die Farbe und das Aroma der Früchte. Erwischt man hellorange getrocknete Aprikosen, so wurden die Früchte sicher mit Schwefeldioxid behandelt. Schwefel wirkt antibakteriell und farbstabilisierend. Da einige Menschen auf  Schwefel mit Kopfschmerzen reagieren, muß er als Zusatzstoff aufgeführt werden. Wer sicher gehen will, sollte ungeschwefelte Aprikosen kaufen. Die sehen nicht ganz so schön aus, schmecken aber genauso gut. 
 Was ich besonders an der türkischen Küche schätze, sind die Mezze. Das sind sozusagen die türkischen Tapas, die zu Getränken oder vor der Hauptspeise serviert werden. Die türkische Gastronomie hat sogar einen eigenen Namen für den Koch, der die Mezze zubereitet. Er nennt sich Mezeci. Zu den Mezze kann man auch diese mit Reis und Lammhackfleisch gefüllten Aprikosen rechnen.
Das wäre dann mein zweiter Beitrag zum LXXXXV. Blogevent Aus Sultans Küchen in Zorras Blog, dessen Gastgeberin Ninive ist. Auch dieses wunderbare Rezept stammt aus dem Kochbuch Cocina Turca. Ich habe herausgefunden, daß es unter dem Titel Everyday Turkish ebenfalls bei Parragon Book Service Ltd. 2010 in englischer Sprache erschienen ist. Das ist für den einen oder anderen Interessenten sicher einfacher als meine spanische Ausgabe.
                           

Afiyet Olsun - Guten Appetit !



Aprikosen gefüllt mit Reis und Lammfleisch gewürzt mit Piment
18-20 große, getrocknete Aprikosen
50 g Langkornreis
2 EL Olivenöl
175 g Lammfleischhackfleisch z.B. von der Keule
½ TL Pimentkörner
Orangensalz und frisch gemahlener Pfeffer
2 EL Zucker
6 EL von der Einweichflüssigkeit der Aprikosen
1 EL Butter

Den Reis in eine Schüssel füllen. Mit kochendem Wasser übergießen und15 Minuten ziehen lassen. Dann in einen Topf füllen, zum Kochen bringen und 10 Minuten kochen. In ein Sieb abschütten, mit kaltem Wasser abbrausen und abtropfen lassen.

Aprikosen in eine Schüssel geben und mit kochendem Wasser übergießen. 10 Minuten quellen lassen. Dann samt der Flüssigkeit in einen Topf geben, aufkochen und bei schwacher Hitze 15 Minuten köcheln. In ein Sieb schütten und gut abtropfen lassen. Die  Einweichflüssigkeit aufheben.

Piment im Mörser fein zerstoßen. Olivenöl in einer tiefen Pfanne erhitzen. Lammhackfleisch im heißen Öl 4-5 Minuten anbraten.  Vom Herd nehmen und mit dem Reis vermischen. Etwas abkühlen lassen. Kräftig mit Orangensalz und Piment würzen.

Die abgetropften vorsichtig Aprikosen öffnen und mit der Reis-Hackfleischmischung füllen.

Butter in einem breiten, flachen Topf schmelzen lassen. Vom Herd nehmen und die gefüllten Aprikosen in den Topf setzen.

Zucker und 6 EL Aprikoseneinweichflüssigkeit unter Rühren aufkochen. Bei schwacher Hitze und stetem Rühren solange köcheln, bis der Zucker aufgelöst ist. Vorsichtig über die Aprikosen gießen.

Die Aprikosen im offenen Topf circa 3 Minuten bei mittlerer Hitze kochen. Dann den Topf zudecken. Bei ganz schwacher Hitze 30 Minuten köcheln. Ab und zu den Deckel lüpfen, damit der Dampf abziehen kann.. Vom Herd nehmen und noch 10 Minten ziehen lassen.

Die mit Lammfleisch und Reis gefüllten Aprikosen kann man warm oder kalt essen. Sie schmecken himmlisch.

Blog-Event LXXXV - Aus Sultans Küchen (Einsendeschluss 15. März 2013)

Dienstag, 13. März 2012

Wenn Kochen Männersache ist: Paella Valenciana

Was den Deutschen ihr Angrillen, ist den Valencianern ihre erste Paella im Frühjahr. Sobald das Frühlingswetter es zulässt, ziehen Familien und Freunde sonntags auf die Finca, wie Spanier ihre Bauernhöfe nennen, um eine Paella auf Holzfeuer zuzubereiten. So schmeckt sie nämlich am besten, weil sie durch das Holzfeuer ein wunderbar rauchiges Aroma bekommt.
Traditionell wird die Paella Valenciana unter freiem Himmel auf offenem Holzfeuer auf einem eisernen Dreibein, dem trébede gekocht. Am liebsten verwendet man Orangenholz, was rund um Valencia nicht schwer zu bekommen ist. Da es im Frühjahr oft noch recht windig ist, werden zum Schutz des Feuers phantasievolle Windschutzeinrichtungen gebastelt.

 Ob die Paella gut wird oder nicht, liegt an den Männern, denn das Kochen der Paella Valenciana ist Männersache. Die Frauen sind für den Salat und fürs Dessert und leider auch für den Abwasch zuständig.

Auch wenn die Paella fälschlicherweise oft als “spanisches Nationalgericht” bezeichnet wird, die Paella ist und bleibt ein valencianisches Nationalgericht.  Oder käme jemand auf die Idee, das schwäbische Nationalgericht Maultaschen als deutsches Nationalgericht zu bezeichnen, nur weil Maultaschen in fast ganz Deutschland bekannt sind?

Die Paella, d.h. die eiserne Pfanne, wurde bereits von den Römern nach Spanien gebracht. Aus dem lateinischen Wort patella entwickelten sich das katalanische Wort Paella und das spanisch-kastilische padilla. Ungefähr um 1900 bürgerte es sich ein, die Bezeichnung Paella sowohl für das Gericht, als auch für die Pfanne zu verwenden. Paellera hingegen nennt man die Köchin einer Paella. Das männlich Pendant ist Paellero.

Die wichtigste Zutat für eine Paella, der Reis (Oryza sativa) wurde höchtwahrscheinlich bereits vor den Mauren in Spanien kultiviert. Er kam vor 8. Jahrhundert von Persien nach Spanien. Verdienst der Mauren war es, durch ausgeklügelte Bewässerungssysteme den Reisanbau und so den Ertrag deutlich zu verbessern. In der Küche der Mauren des Al-Andalus spielte der Reis eine wichtige Rolle. Bei besonderen Familienfesten wurde in großen Töpfen Reis zusammen mit Fisch und aromatischen Gewürzen langsam gegart. Diese Reisgerichte tauchen später oft in den Rezepten der Morisken (getaufte Mauren) auf und könnten  theoretisch eine Art Vorläufer der Paella sein. Beliebt war auch der maurische Milchreis mit Zimt und Rohrzucker.
Den Mauren verdanken die Valencianer auch die weitere essentielle Zutat für die Paella, den Safran. Knapp zweihundert Jahre nach der endgültigen Vertreibung der Mauren,die einen fatalen Niedergang der Landwirtschaft in Spanien zur Folge hatte, baute man in Andalusien, Castilla-La Mancha und Valencia wieder Safran in großem Stil an.

Jaime I El Conquistador
 Der aragonesische König Jaime I, el Conquistador ordnete nach der Eroberung von Valencia 1238 an, nachdem er sich schnell noch zum Chef des Königreichs Valencia gemacht hatte, daß die Reisfelder, die sich in unmittelbarer Nähe der Stadt Valencia befanden, wegen möglicher Verbreitung von Krankheiten stillgelegt werden sollten und Reis nur um das weiter entfernte Feuchtgebiet der Lagune La Albufera angebaut werden durfte. Dort wird auch heute noch Reis angebaut.

Nach der Vertreibung der Mauren von der valencianischen Küste  im Jahr 1502 (im restlichen Spanien wurden die Mauren erst zwischen 1609 und 1611 vertrieben), ging der Reisanbau zunächst wieder etwas zurück. In den ländlichen Zonen wurden im 15. und 16. Jahrhundert  Reisgerichte jedoch nach wie vor gern von Bauern und Hirten konsumiert, weil Reis leicht zu transportieren und stets zur Hand war und sich mit dem was man sonst noch hatte gut kochen ließ.  In spätmittelalterlichen spanischen/valencianischen Rezepten wird ein menjar blanc erwähnt, gekochter Reis mit Hühnerbrust.
Im 16. Jahrhundert wird der Reisanbau um Valencia in mehreren Büchern erwähnt, auch wie man ihn schält und zubereitet. Von dem Agronomen Francisco de Paula Martí gibt es einen Text von 1513 , der zeigt, daß Reisgerichte bereits Anfang des 16. Jahrhundert sehr populär waren. Sein Rezept für einen Arroz a la Valenciana ähnelt den heutigen Paellarezepten verblüffend. Juan de Altamira beschreibt in seinem Buch  Nuevo Arte de cocina eine Reisgericht mit Aal.
Die Legende erzählt, daß während der Regierungszeit des spanischen Königs Felipe II. (1527-1598) eine Delegation aus dem kaiserlichen Japan anreiste und im Hafen von Alicante an Land ging. Vor der Weiterreise nach Madrid übernachteten die japanischen Gäste auch in der Hafenstadt. Der König soll seinen Chefkoch, Francisco Martínez Montiño, extra nach Alicante beordert haben, um den japanischen Gästen valencianische Reisgerichte zu kochen und zu kredenzen. Dem Vernehmen nach sollen sich die Japaner sehr darüber gefreut haben.
Improvisation ist alles
Der Ausdruck Paella als solches wird zwar zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert nicht ausdrücklich erwähnt. Schriftlich erwähnt wird jedoch ein Arroz a la Valenciana in einem Rezeptmanuskript von Josep Orri aus dem 18. Jhdt. In seinem Kochbuch für Anfänger Avisos y Instruccionesz por lo principiant Cuyner erklärt Orri diverse Zubereitungsarten und Techniken und unterscheidet zwischen Arroz a la catalana und Arroz a la Valenciana.

 Bereits Ende des 18. Jahrhunderts war die Paella an der levantinischen Küste Spaniens höchst populär. Trotzdem ignorierte der berühmte französische Koch Auguste Escoffier die Paella Valenciana, als er ein Traktat über Reisgerichte schrieb. Dafür wurde das Paellarezept als Riz à la Valenciennes in Belgien und als Paella Grande Royale in Brüssel berühmt. Im Jahr 1896 filmte der französische Regisseur Eugène Lix erstmals die Zubereitung einer Paella in Valencia.
Paella gigante für 1.000 Personen
Die Popularität der Paella stieg im Laufe des 20. Jahrhunderts enorm, sowohl auf nationalem als auch internationalem Niveau. Leider möchte man sagen, denn dadurch erfuhr die Paella Änderungen des Originalrezeptes (Huhn, Ente, Kaninchen und Schnecken), die recht abenteuerlich sind und nicht immer zur Geschmacksverbesserung beitragen. Der Gipfel für mich war ein deutscher Spitzenkoch, der in der bekannten Kochsendung am Freitagabend seine Paella mit Crème Fraîche aufpeppte. Die Paella mixta, d.h. Fisch und Fleisch in derselben Paella, sei eine Erfindung für Touristen, behaupten die Valencianer.
Paella mixta von Rolf
In der echten Paella Valenciana werden keine Fische oder Gambas verwendet, sondern nur Fleisch und bestimmte Gemüse. Diese Gemüsemischung kann man sogar tiefgefroren in Supermärkten erstehen. Zwar schrieb ein gewisser Dionisio Pérez Gutiérrez, die wahre Paella bestünde nur aus Aal, Schnecken und grünen Bohnen. Doch Señor Pérez war Andalusier. Und was weiß schon ein Andalusier davon, was eine echte Paella Valenciana ist?
Valencianer essen ihre Paella am liebsten mit dem Löffel gemeinsam direkt aus der Pfanne. Jeder macht sein "Eckchen" sauber leer. Wildern in fremden Revieren ist verpönt. Die Fleischstücke werden in die Hand genommen und abgeknabbert. Das beste an der valencianischen Paella ist der socarrat, die begehrte goldbraune leckere Kruste am Boden der Paellapfanne.

Arroz Bomba Pflanze
Wichtig für das gute Gelingen einer Paella Valenciana ist einmal, daß die Fleischstücke samt Knochen in mundgrechte, kleine Stücke zerhackt werden. Zum anderen, daß die Paellapfanne einen möglichst großen Durchmesser hat, aber nur 4-5 cm hoch ist. Das erleichtert die Verdampfung der Flüssigkeit. Ideal ist es, wenn man den echten Paellareis, arroz bomba genannt, verwendet. Risottoreis ist ungeeignet, denn der fertige Reis einer Paella muß trocken, bißfest und locker sein, keinesfalls feucht oder gar sämig. Ist die Paella fertig gekocht, was circa 40-50 Minuten dauert, dann nimmt man sie vom Feuer, deckt sie mit Zeitungspapier zu und lässt sie noch 5 Minuten ruhen. Valencianer würden eine Paella niemals abends essen, denn sie kann schwer im Magen liegen. Zur Geschmacksabrundung und zur besseren Verdauung wird die fertige Paella mit Zitronensaft beträufelt.

Die Puristen unter den Anhängern der authentischen Paella Valenciana haben seit kurzem einen Grund mehr zur Freude: Die traditionelle Paella Valenciana hat nun auch ihre Herkunftskontrolle D.O., sofern sie aus den zehn klassischen Zutaten zubereitet ist: aceite, pollo, conejo, ferraura, garrofó, tomate, agua, sal, azafrán y arroz (Olivenöl, Huhn, Kaninchen, breite grüne Bohnen, große flache weiße Bohnenkerne, Tomate, Salz, Safran, Wasser und Reis). Man erlaubt  jedoch auch großzügig gewisse regionale Varianten: In Benicarló kommen Artischocken dazu, in der Albufera Ente, Paprikapulver statt Safran, südlich von Valencia und in Murcia verwendet man auch gern Knoblauchzehen, Schnecken und Rosmarin.
Nicht erwähnt wird eine Variation der Paella, die unter den Gourmets rund um die Lagune La Albufera besonders geschätzt wird, die Paella con ratas. Dabei handelt es sich keineswegs um normale Ratten, sondern um einen kleinen vegetarisch lebenden, biberähnlichen Nager (Arvicola sapidus), der in und um die Gewässer der Lagune lebt. Sein weißes Fleisch soll ähnlich wie das von Kaninchen schmecken.

Statt der klassischen Paellapfanne, kann man auch eine andere flache Pfanne verwenden. Alles was man für die Zubereitung einer valencianischen Paella benötigt, gibt es hier bei  Paella World International zum Bestellen.

Noch etwas: In Valencia kippt man den Reis in die Paella, wenn die Flüssigkeit kocht. In Alicante hingegen lässt man den trockenen Reis in die angebratenen übrigen Zutaten rieseln, rührt um, bis die Reiskörner von einem Ölfilm umhüllt sind und gibt erst dann die kochende Brühe dazu.
Hier ist mein ziemlich puristisches Rezept:




Paella Valenciana
400 g Paellareis Arroz Bomba
½ Huhn
½ Kaninchen
2-3 große Tomaten
1 rote Paprikaschote
2 Knoblauchzehen
spanisches Olivenöl nativ extra
150 g Garrofones (flache weiße Bohnen) oder ersatzweise weiße Bohnenkerne(über Nacht eingeweicht)
200 g flache grüne Bohnen
in der Saison 3-4 knackige Artischocken
3 Zweige Rosmarin
1 Briefchen Safranpulver
1 TL Paprikapulver
Salz
circa 2 l heiße Brühe oder Wasser
2 Zitronen
Wer's mag, kann auch noch Schnecken in der Paella mitkochen.

Das Fleisch vom Metzger in mundgerechte, kleine Stücke hacken lassen. Die grünen Bohnen in kleinfingerlange Stücke schneiden. Paprikaschote putzen und in Streifen schneiden. Die ganze Tomate und die gehäutete Knoblauchzehen auf einer feinen Gemüsereibe reiben. Artischocken putzen und in kleine Segmente schneiden.

Olivenöl in einer Paellapfanne oder einer anderen, flachen Pfanne erhitzen. Das Fleisch im heißen Öl unter stetigem Umwenden langsam schön goldbraun anbraten. Das dauert gut und gern 15-20 Minuten. Die grünen Bohnen und die Paprikaschotenstreifen hinzufügen und 5-10 Minuten mitbraten.
Dann die geriebenen Tomaten und das Parikapulver zugeben. Verrühren und sofort heiße Brühe oder Wasser auffüllen und bei starker Hitze 15-20 Minuten kochen. Bohnenkerne und Artischocken jetzt hinzufügen.

Nun den Reis gleichmäßig überkreuz in die Pfanne rieseln lassen und den Safran zugeben. Die Rosmarinzweige auf die Paella legen. Bei starker Hitze 10 Minuten kochen lassen. Dann bei mittlerer Hitze noch circa 25-30 Minuten köcheln, bis die Flüssigkeit verdampft bzw. vom Reis aufgesogen ist.

Die Paellapfanne vom Feuer nehmen und für 1-2 Minuten direkt in die Glut stellen, um die begehrte Kruste, das Socarrat zu bekommen. Dann wieder auf den Dreifuß stellen. Die Paella mit einem Küchentuch oder Zeitungspapier abdecken und 5 Minuten ruhen lassen.
Zitronen vierteln. Die Zitronenschnitze auf der Paella verteilen und servieren.

Quellen:
Inés Eléxpuru, La Cocina de Al-Andalus
Wiki.es
Garcima S.L. La Ideal Paellapfannen, Alacuàs
SOS Arroces Algemesí