Dienstag, 5. August 2014

Tunesischer Tomatensalat Radhkha mit Thunfisch - gewürzt mit ein paar kritischen Bemerkungen zum Tourismus im Süden

Tomaten schmecken, auch in den südlichen Gefilden Europas, nur in den Sommermonaten so richtig gut. Da wir Tomaten in allen Variationen lieben, nütze ich die Gelegenheit, jetzt in der Saison allerlei Gerichte aus den aromatischen Paradiesäpfeln zuzubereiten. Salate in jeder Form stehen an erster Stelle. Aber auch Nudelgerichte mit süßen, ganz kurz geschmorten Tomaten sind etwas Feines.
Wenn das Thermometer im Sommer auf über 40ºC klettert, essen die Tunesier - und nicht nur sie - gern erfrischende Salate. Gerade in Tozeur, im südlichen Tunesien, das am Rande des Salzsees Chott el Djerid liegt, lieben die Einheimischen diesen Tomatensalat, den sie radhkha. Tozeur war das römische Tusuros und liegt im Land der Dattelpalmen.
Die Gegend um Tozeur war bei Filmregisseuren sehr beliebt. Das ZDF ließ im Jahr 1972 die Fernsehserie Kara Ben Nemsi Effendi hier drehen, die auf den Romanen von Karl May basierte. Auch der Science Fiction Film von George Lukas, Krieg der Sterne, wurde ebenso in der Region gedreht wie große Teile des Films Der englische Patient.
Tozeur ist eine Stadt, mit einer nahegelegen großen Oase. Zwar fällt in dieser Gegend mit 100 ml im Jahr sehr wenig Regen. Doch dank der reichlichen unterirdischen Wasservorräte ist die Oase mit Wasser gut versorgt, auch wenn im Sommer Höchsttemperaturen bis zu 50ºC erreicht werden. Vielleicht sollte man besser sagen war mit Wasser gut versorgt, denn.....
Traditionell lebten die Bewohner von Tozeur und der Oase von den vielen Dattelpalmen, besser gesagt deren köstlicher Früchte. Die Dattelproduktion war einst die wichtigste Industrie und für viele Einwohnern die Lebensgrundlage. Leider vernichtete ein verheerender Brand in den 1990er Jahren einen Großteil der Oasenvegetation und leider auch sehr viele Dattelpalmen. Die einstmals äußerst populäre Oase präsentiert sich heute in einem veränderten Landschaftbild und die Tozeuraner arbeiten heute statt in der Dattelproduktion für die Touristen. Der Tourismus macht mittlerweile circa. 80% aller Einnahmen aus und bedroht die Oase ebenso wie das Leben der Einheimischen.
In Tozeur gab bzw. gibt es jedoch nicht nur Dattelpalmen. Dank einer uralten und ausgeklügelten Anbau- und Bewässerungsmethode verfügt(e) die Region über ein breites Obst- und Gemüseangebot. Doch die Oase ist nun durch den Tourismus ernsthaft bedroht. Touristen konsumieren nicht nur ihren Urlaub, sondern auch Wasser und das gedankenlos in immensen Mengen. Ich sehe das ja auch hier in Südspanien, wo Wasser ebenfalls ein kostbares Gut ist, die Touristen aber nach noch mehr grünen Golfplätzen schreien, mehrmals täglich ausgiebig duschen und die Felder der Bauern vertrocknen, weil das Wasser zuerst den Hotels zugeteilt wird.
Für die Bauern im tunesischen Tozeur, deren Lage sich in der letzten Zeit ohnehin durch Dürreperioden und steigende Durchschnittstemperaturen verschlechtert hat, bedeutet das ebenfalls, daß sie das Wasser mit den Hotels und Touristen teilen müssen. Was früher vernünftig bemessen und gerecht verteilt wurde, ist mittlerweile eine Ware wie jede andere geworden. Nur wer zahlen kann, bekommt Wasser für seine Felder. Da z.B. die Bewässerung eines Palmenhains pro Jahr und Hektar 150 Euro kostet, kann ein traditioneller Landwirt da kaum mehr mithalten. Wasser ist kein allgemeines Gut mehr, sondern eine knappe, teure Ware. Da obendrein noch bei Tozeur mitten in der Wüste ein riesiger Golfplatz gebaut wurde, kann man sich die Folgen ausmalen. Wenn es die Hälfte des Jahres im Schatten über 50 Grad heiß ist, kann man einen derart großen Rasen nicht pflegen, ohne die Grundwasservorräte anzuzapfen. Das aber wird katastrophale Folgen haben. Mir erscheint es da geradezu zynisch, daß dieser Golfplatz völlig gedankenlos mit " Es handelt sich hierbei um einen richtigen „Wüsten-Golfplatz“, man spielt quasi von einer Oase in die nächste..." beworben wird.

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet, sagte Hans-Magnus Enzensberger schon 1979. Wer reist, ohne dem Anderen zu begegnen, der reist nicht - er wechselt nur den Aufenthaltsort, schrieb die Reiseschriftstellerin Alexandra David-Neel Anfang des 20. Jahrhunderts. Golfspielern - und vielen anderen Touristen - ist es egal wo sie Golf spielen und ihren Urlaub verbringen, Hauptsache die Sonne scheint, das Meer ist blau und der Golfplatz grün. Ein Schnäppchen sollte der Urlaub möglichst auch noch sein. Darüber, daß in südlichen, extrem trockenen Ländern ein grüner Golfplatz ein Irrsinn ist, regen sich Golfspieler nicht auf. Höchstens darüber, daß die Gazpacho im einem spanischen Golfclub mehr kostet, als in einem deutschen die Gulaschsuppe. Man kann ja fast schon froh sein, daß sie im spanischen Golfclub nicht auf ihrer Gulaschsuppe bestehen.

Vielleicht sollten die Touristen auch einmal über nachhaltiges Reisen nachdenken. Wenn es ums Essen geht, reden doch alle schon längst von nachhaltiger Produktion und Ernährung. Wenn es das Ziel einer nachhaltigen Ernährung ist, die Erde dauerhaft gerecht zu bewirtschaften, die Lebenssituation der heutigen Generation zu verbessern, ohne gleichzeitig die Lebenschancen künftiger Generationen zu gefährden, dann sollte das Ziel nachhaltigen Reisens ungefähr das gleiche sein.

Tunesischer Tomatensalat Radhkha mit Thunfisch
1 kg reife Tomaten
1 große grüne Paprikaschote
2 Dosen Thunfisch in Olivenöl am besten Bonito oder Skipjack (Katsuwonis pelamis), der sei noch nicht gefährdet
2-4 rosa Knoblauchzehen je nach Geschmack
2 Handvoll schwarze Oliven à la greque
1-2 Zitronen
6-8 EL Olivenöl nativ extra
Meersalz
schwarzer Pfeffer aus der Mühle

Paprikaschote putzen. Tomaten und Paprikaschoten in kleine Würfel schneiden.  Den Thunfisch zerbröckeln. Knoblauchzehen häuten und in ganz kleine Würfel schneiden.

Tomaten- und Paprikawürfel in eine Schüssel geben. Leicht salzen und mit einem Stösel leicht zerdrücken. Knoblauchwürfel, Olivenöl und Zitronesaft zugeben und umrühren. Mit Salz und Pfeffer würzen. Zum Schluß die entsteinten schwarzen Oliven über den Salat streuen.

Tip: Ideal ist es, wenn man die Tomaten und Paprikaschoten über Nacht im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahrt hat. Dann ist der Radhkha Salat beim Servieren angenehm frisch und kühl.

Die Informationen zu den Wasserproblemen in Südspanien stammen aus eigener Erfahrung. In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Wenn es nicht spätestens im September ordentlich regnet, dann haben wir ein ernsthaftes (Trink)Wasserproblem. Die Ernte in meiner Region (Costa Blanca) ist wegen der extremen Trockenheit bereits zu mehr als 60%  vertrocknet, d.h. vernichtet. Tausende von Mandelbäumen sind unwiderbringlich verloren. Die Olivenbäume haben bereits Schaden genommen. Die Golfplätze werden aber nach wie vor bewässert - die meisten mit Trinkwasser !!!

Meine Information zum Wasserproblem von Tozeur habe ich aus dem Beitrag von Claude Llena in Le Monde diplomatique.



Kommentare:

Thea hat gesagt…

Vielen Dank für die Anmerkungen zum Tourismus, vor allem aber zu den Golfplätzen. Darüber rege ich mich schon so lange auf.
Ich rege mich aber auch über die Pauschalurlauber auf. Sie reisen in ferne Länder und buchen all inclusive; und wenn dann Teile der Mahlzeiten deutsch sind, sind sie ganz glücklich. Wenn ich verreise, gehe ich unters Volk, kaufe bei den Einheimischen ein und - dies vor allem - esse von und bei den Einheimischen. Ich könnte mich noch weiter aufregen. Nun aber Schluss und nochmals Danke.

Margit Kunzke hat gesagt…

@Thea: Das ist ein Thema, über welches man stundenlang diskutieren könnte. Es ist schon traurig, wie die Touristen ein Land zerstören können und wie es das Land selber zulässt, weil es nur um Profit geht.

Anonym hat gesagt…

Leider..ich würde und bin gegen diese bescheuerten Golfplätze, wenn sie spielen wollen, sollen sie das zu hause tun.
Früher ist man in den Urlaub gefahren um Land und Leute kennen zu lernen, zu essen, was es da gibt und nicht deutsche Küche in fremden Ländern...ich finde sowas nur noch furchtbar.

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Margit das solltest du laut auf FB herausschreien. Ich war 1974 in genau dieser Region Tunesiens unterwegs mit Studenten im VW Käfer. Die Oase war noch eine und die Menschen -wir fuhren von Hammamed nach Djerba quer durch die Salzwüste- fröhlich, höflich, gastfreundlich und dankbar. Wenn es jetzt so aussieht, wie übrigens auch auf Sizilien, dort nur ohne Wüste, so möchte ich mich fremdschämen.
Danke auch für das Tomatenrezept.

Margit Kunzke hat gesagt…

@Anonym: Da bin ich ganz Deiner Meinung

Margit Kunzke hat gesagt…

@Freundin des guten Geschmacks: Im FB habe ich das auch schon geschrieben. Aber jedes süße Katzen- oder Hundebild bekommt mehr Likes...

Oliver Nelles hat gesagt…

Tja. Nachhaltig und so. Wasserprobleme im Süden. Sehe ich ja ein. Hat ja was mit Nachdenken zu tun. Aber dann ein Rezept mit Thunfisch aus der Dose einzustellen, ist in dem Kontext ja fast schon unerträglich gedankenlos.
Just my two cents.
Oliver

Oliver Nelles hat gesagt…

Ach so. Hat mich nämlich wirklich gewundert. Dann werd ich das Rezept wohl auch mal probieren.
Ansonsten ein wirklich schöner blog. Gefällt mir. Sonst hätte ich auch nichts geschrieben.

Margit Kunzke hat gesagt…

@Oliver Nelles: Es wäre gedankenlos, wenn in der Dose "echter" Thunfisch (roter oder weißer) gewesen wäre. Doch der Thunfisch, der dem Verbraucher in Dosen angeboten wird, ist vor allem Bonito oder Skipjack (Katsuwonis pelamis). Nach den vorliegenden Informationen sind diese Bestände derzeit nicht überfischt. Genau diesen habe ich verwendet.Auf Deinen Hinweis hin habe ich das im Text auch geändert.

Margit Kunzke hat gesagt…

@Oliver Nelles: Dankeschön fürs Kompliment bezüglich des Blogs. Ich finde es immer gut, wenn meine Beiträge auch kritisch und mit offenen Augen gelesen werden. Es kann nur nur besser werden ;-)