Freitag, 1. November 2013

Suppe aus Granada mit Fleischklößchen und Granatapfel - Sopa de Granada

Die spanische Küche wird zu Unrecht als langweilig angesehen, denn sie bietet viel mehr als nur Paella, Gazpacho, Crema Catalana und Tortilla. Wobei man eigentlich genauso wenig von einer spanischen Küche reden kann, wie von einer deutschen. Jede Region hat ihre eigenen, typischen Spezialitäten. Im wärmeren Süden an der Mittelmeerküste wird viel Fisch aus dem Mittelemeer gegessen, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Gekocht wird vor allem mit Olivenöl. Schweinefleisch, Lamm, Kaninchen und Huhn stehen häufiger auf dem Speiseplan als Rind, weil es keine Weiden für Kühe gibt. Im grünen Norden gibt es reichlich Weidegründe für Kühe, dafür aber keine Olivenbäume. Folglich verzehrt man im Norden mehr Butter und Milchprodukte und Rindfleisch kommt öfter auf den Tisch, aber auch Fisch und Meeresfrüchte vom Atlantik. Eines hat zumindest die traditionelle spanische Küche gemeinsam: Es gibt viele Löffelgerichte, d.h. Eintöpfe jeder Art, die mit dem Löffel gegessen werden. Diese Eintöpfe werden gerade im Süden, wo der Einfluß der maurischen Gastronomie noch deutlich zu spüren ist, mit Gemüse, Hülsenfrüchten, frischem und trockenem Obst kombiniert. So eine Kombination ist auch diese Suppe aus Granada. Sowohl die Suppe als auch die Fleischklößchen werden mit Zimt gewürzt. Den Pfiff bekommt die Suppe durch frischen Granatapfelsaft, Granatapfelkerne und ganz kurz in Olivenöl geschwenkten, mit Zimt und Salz gewürzte Pfefferminzblättchen.
Blick auf die Alhambra
Der Granatapfel gab der schönen andalusischen Stadt Granada ihren Namen. Der Granatapfel schmückt noch heute das Wappen der Stadt. Quien no ha visto Granada, no ha visto nada, wer Granada nicht gesehen hat, hat nichts gesehen, lautet ein oft zitierter Spruch. Im 10. Jahrhundert gründeten die Mauren Granada.  Die Alhambra, auch Calat al-Hambre  (Rotes Schloss) genannt,  wird allgemein als eines der schönsten erhaltenen arabischen Bauwerke erachtet.  Sie ist eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Europas und seit 1984 Weltkulturerbe. Im Jahre 1238 verlegte der erste Nasridenherrscher, Muhammad ibn Yusuf ibn Nasr Al-Ahmar, der Rote, seine Residenz von Jaén nach Granada und begründete als Mohammed I. in Granada seine eigene Dynastie, die Nasriden, die bis 1492 über das Emirat von Granada herrschten. Er begann auch mit dem Bau der Alhambra.
Der Granatapfelbaum, der fast gleichzeitig mit leuchtend orangeroten Blüten und seinen interessanten Früchten prunkt, ist aus den andalusischen Gärten nicht wegzudenken. Der Blütenkelch sieht aus wie eine Krone und soll laut der jüdischen Tradition als Vorbild für das Design von Herrscherkronen gedient haben.  In Spanien wird der Granatapfel auch Herbstfrucht genannt, denn seine Saison beginnt ab Mitte September. Die Mauren brachten den Granatapfelbaum aus Syrien nach Spanien. Die Frucht war einst das Wahrzeichen von al-Andalus. Schon im 13. Jahrhundert erwähnt der Dichter Gonzalo de Berceo den Granatapfel in einem seiner Gedichte. Berceo nennt ihn milgrana (1000 Kerne) wegen seiner unzähligen Kerne. Um die 400 Samenkerne enthält jeder Granatapfel. Schon vor mehr als 5000 Jahren wurde der Granatapfelbaum in Asien und Nordafrika kultiviert. Besonders beliebt war der Granatäpfel bei den Nomaden, die durch die Wüste zogen. Dank seiner festen, lederartigen Haut lässt sich der Granatapfel nicht nur gut konservieren, sondern auch problemlos transportieren. Seine süßen Kerne sind sehr saftig und durststillend.
Detail aus Botticellis Madonna mit Granatapfel
Die sagenumwobene Königin Semiramis soll einige Granatapfelbäume in ihren berühmten Hängenden Gärten von Babylon angepflanzt haben. Aphrodite, die Göttin der Liebe,  hat laut der griechischen Mythologie den ersten Granatapfelbaum gepflanzt und Hades, der Gott der Unterwelt benutzte eine Granatapfelfrucht, um Persephone, die Tochter des Zeus und der Demeter zu verführen. Salomon preist im Hohelied  die erotische Qualität des Granatapfels: Die aufspringenden Knospen künden von sich anbahnender Liebe…gleich dem Riß im Granatapfel schimmert deine Schläfe hinter deinem Schleier hervor, singt er begeisert und die Geliebte will den Geliebten tränken mit gewürztem Wein, mit dem Saft der Granaten. In fast allen Kulturen galt der Granatapfel auch als Fruchtbarkeitssymbol.
Ab dem 15. Jahrhundert bildeten viele Künstler, vor allem italienische Maler, den Granatapfel auf ihren Bildern ab. Von Sandro Botticelli gibt es ein bezauberndes Bild der Madonna mit Granatapfel (1487) auf dem ein draller Jesusknabe einen Granatapfel in der Hand hält. Es hängt in den Uffizien in Florenz. Aber auch für Leonardo da Vinci, Matthias Grünewald und Albrecht Dürer war der Granatapfel eine Metapher für Liebe, Fruchtbarkeit und göttlichen Segen. Auf Herrscherporträts wird die Frucht zum Sinnbild der Macht.
Daß der Granatapfel bzw. sein Saft sowohl innerlich als auch äußerlich gesund ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Das ist auch mein zweiter Beitrag zu Beitrag zu Zorras XCIII Blog Event, den Nele von Küchendelikte unter dem Titel Spanien kulinarisch veranstaltet.
Suppe aus Granada mit Fleischklößchen und Granatapfel - Sopa de Granada
Für die Suppe:
300 g frischer Spinat
1 Lauchstange
1 kleine, weiße Zwiebel
100 g rote oder gelbe Linsen
80 g Reis
2 Granatäpfel
125 g Erbsen (tiefgekühlt)
1 Zitrone oder 1 Bitterorange
Orangensalz
Olivenöl nativ extra
Für die Klößchen:
300 g Rinderhackfleisch oder Lammhackfleisch
1 Ei
1/2 TL Korianderkörner
ein paar schwarze Pfefferkörner
1/2 TL Zimt
Salz
Olivenöl zum Braten
und dann noch:
1 Handvoll Pfefferminzeblättchen
etwas Olivenöl nativ extra
Zimt
Salz

Für die Klößchen Korianderkörner und Pfefferkörner in einem Mörser fein zerstoßen.  Das Hackfleisch mit dem Ei, den zerstoßenen Gewürzen, Zimt und Salz gut verkneten. Aus der Masse mit feuchten Händen walnußgroße Klößchen formen. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Die Klößchen im heißen Öl rundum goldbraun anbraten. Dann bei schwacher Hitze in circa 8-10 Minuten fertig braten. Auf Küchenpapier legen, um das überschüssige Öl zu entfernen.

Für die Suppe den Spinat putzen, waschen und gut abtropfen lassen. Dann in Streifen schneiden. Das Weiße der Lauchstange in feine Ringe schneiden. Zwiebel häuten, halbieren und in feine Halbringe schneiden.

In einem Suppentopf circa 6 EL Olivenöl erhitzen. Die Zwiebel bei schwacher Hitze im heißen Öl glasig anschwitzen. Naturreis unterrühren. Mit anderthalb Liter Wasser auffüllen, aufkochen und bei schwacher Hitze circa 15 Minuten köcheln. Lauchringe und rote Linsen zugeben und weitere 10-15 Minuten zugedeckt köcheln.

Inzwischen einen Granatapfel halbieren und den Saft auspressen. Die Fruchtkerne aus dem zweiten Granatapfel auslösen. Granatapfelsaft und Erbsen zur Suppe geben und noch circa 3 Minuten zugedeckt köcheln. Dann die Fleischklößchen, den Spinat und die Granatapfelkerne zur Suppe geben und kurz erhitzen. Mit Orangensalz, Pfeffer und Zitronensaft oder Bitterorangensaft abschmecken.

Zum Schluß die Pfefferminzeblättchen in Olivenöl kurz anschmoren. Mit Salz und Zimt würzen.

Zum Servieren die Suppe in Teller füllen. Minzeblättchen und Olivenöl darüber geben.

Das Rezept steht auch in meinem Kochbuch Andalusien Küche und Kultur auf Seite 28.


Blog-Event XCIII - Spanien kulinarisch (Einsendeschluss 15. November 2013)  

P.S. Der Bildausschnitt von Botticellis Madonna mit Granatapfel ist gemeinfrei,  weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für alle Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 100 Jahren oder weniger nach dem Tod des Urhebers. Diese fotografische Reproduktion wird daher auch als gemeinfrei angesehen.

Kommentare:

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Gefällt mir sehr gut deine Sopa.
Mache ich auf jeden Fall nach.

Susanne hat gesagt…

Schon gespeichert - das ist genau meine Kragenweite; ich mag solche Suppen und ich liebe Granatapfel. Und vielen Dank für die ausführliche Geschichte zum Granatapffel, es macht so viel Spaß, hier mitzulesen.

Margit Kunzke hat gesagt…


@Freundin des guten Geschmacks:Schön dass Dir die granadinische Suppe gefällt. Viel Vergnügen beim Nachkochen.
@ Susanne:dankeschön Susanne.Lass es Dir schmecken

Alberte hat gesagt…

Herzlichen Dank für das Rezept dieser außergewöhnlichen Granatapfelsuppe. Ich habe sehr gerne die Info über den Granatapfel gelesen. Ich freue mich, dass es offenbar eine neue Züchtung Granatapfelbaum gibt. Mein Baum blüht im Frühjahr und die Ernte ist im Herbst. Blüten und Früchte fast gleichzeitig am Baum sehe ich nur, wenn alte Früchte hängengeblieben sind. Herzliche Grüße

Margit Kunzke hat gesagt…

@Alberte: Bitteschön, Alberte Es freut mich, daß Dir mein Beitrag gefällt

Nele hat gesagt…

Perfekte Suppe zu diesem Schiedwetter. Danke für dieses Rezept. :-)

Liebe Grüße,
Nele

Margit Kunzke hat gesagt…

@Nele: Bitteschön...das ist einmal eine wärmende Suppe, die nicht so mächtig ist.

Rosita Vargas hat gesagt…

Ohhh excelente sopa muy original con granadas me encantò soy fan de las sopas,abrazos.

Margit Kunzke hat gesagt…

@Rosita Vargas: Gracias Rosita :-)