Dienstag, 16. August 2011

Tapa Nr.17: Pimientos de Padrón - klein aber oho!

 Als Tapa kennt man die Pimientos de Padrón, die kleinen grünen aromatischen Paprikaschoten aus Galicien in ganz Spanien. Die kleinen Grünen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Man ißt sie gegrillt als Tapa und lecker mit Fleisch oder Fisch gefüllt. Die kleinen Paprikaschoten sind aus der galicischen und spanischen Gastronomie nicht mehr wegzudenken
. 

 Man sieht es ihnen nicht an, den kleinen grünen Paprikaschoten aus dem galicischen Ort Padrón. Erst wenn man hineinbeißt merkt man, dass man diesmal die scharfe Schote erwischt hat. Da darf man getrost jede Etikette vergessen und das scharfe Stück direkt vom Mund auf den Teller zurückbefördern. Eine von zehn ist immer scharf, angeblich nur die gebogenen Schoten. Deswegen sagen die Galicier auch pimientos de Padrón, pequeños, pero matón .  (Pimientos de Padrón, klein aber mörderisch).

In der Saison gibt es keine Bar in Galicien, die nicht Pimientos de Padrón als Tapa anbietet. Man nimmt sie am Stiel und steckt sie in den Mund und beißt ab.  In der anderen Hand hält schon vorsichtshalber ein Glas galicischen Weißweins und ein Stück Brot, denn man weiß ja nie, was passieren könnte. Den angebissenen Stiel deponiert man am Tellerrand..

Minipaprika nur echt aus Herbón
Galicische Franziskanermönche aus dem Kloster Herbón haben die Pimientos de Padrón im 16. Jahrhundert von Mexiko nach Spanien gebracht. Rund um ihr Kloster in Herbón, den Ort Padrón und an den Ufern des Flusses Ulla machten sie die kleinen Grünen heimisch.

Mit den Jahren passte sich die Pflanze an das Klima und die Böden in den Tälern der Flüsse Ulla und Sar hervorragend an, und es entstand die kleine grüne Paprikasorte, die wir heute als Pimientos de Padrón kennen. Ende des 18. Jahrhunderts waren die Produktion und der Handel mit getrocknetem und gemahlenem Paprika eine wichtige Einnahmequelle für die Bewohner der Zone.
Pimientos de Padrón scheinen sehr heimatbewußt zu sein. Wenn man versucht, sie an anderen Orten zu züchten, verlieren sie ihren so geschätzten Geschmack und schrumpfen sogar ein. Schmecken sie vor dem Braten bitter, dann sind sie nicht frisch.

Da der Name Pimientos de Padrón  eine Paprikasorte bezeichnet und keine Herkunftsbezeichnung ist, mittlerweile aber auch u.a  in Marokko Pimientos de Padrón angebaut werden, die natürlich nicht die gleiche Qualität haben, wurden die galicischen umgetauft und mit Herkunftskontrolle ausgezeichnet. Die echten galicischen Pimientos de Padrón heißen  Pimientos de Herbón D.O. und nur diese kommen aus Galicien.

Die kleinen, tiefgrünen, länglichen Paprikaschoten, knapp drei bis fünf Zentimeter lang, wiegen zwischen 3,5 und 4,5 Gramm, gehören zu den capiscum annum L.und haben einen exquisiten Geschmack.
Geerntet werden sie unreif ab dem 15. Mai bis zum 31. Oktober. Was in den übrigen Monaten verkauft wird, kommt meist aus Marokko.
Lässt man die kleinen Grünen am Strauch reifen, werden sie länger und feuerrot. Dann sind sie wirklich höllisch scharf und nur noch als Gewürz genießbar.

Es ist Sitte, daß die Pimientos-Bauern dem spanischen König alljährlich einen Korb mit den ersten geernteten Pimientos de Padrón als Präsent überreichen.
 

Pimientos de Padrón werden außer als Tapa auch als Beilage zu Fisch und Fleisch gereicht oder mit Herzmuscheln, Bacalao, Schweinefleisch, Käse und Kichererbsen gefüllt.

Am besten schmecken sie gebraten in etwas Olivenöl gebraten mit etwas grobem Meersalz bestreut und frischem Baguette. Wichtig ist, daß man die Pimientos de Padrón ganz langsam und sanft in reichlich Olivenöl brät. Das Olivenöl soll heiß sein, aber nicht zu heiß. Die kleinen Grünen enthalten wie alle Paprikaschoten viel Zucker. Wird der Zucker zu heiß, dann "verbrennt" er und die Schote kann bitter schmecken. Salzen mit grobem Meersalz sollte man sie erst nach dem Braten.

Tapa Nr. 17: Pimientos de Padrón
Pro Person 1 Dutzend Pimientos de Padrón
Spanisches Olivenöl nativ extra zum Braten
grobes Meersalz oder Maldon Salz

Die ganzen Pimientos de Padrón werden bei schwacher bis maximal mittlerer Hitze in reichlich Olivenöl langsam gebraten. Wenn sie anfangen goldbraun zu werden, nimmt man sie aus der Pfanne, lässt sie auf Küchenpapier gut abtropfen, legt sie auf einen Teller und serviert sie heiß mit Meersalz bestreut.

Dazu schmecken ein kühles Bier oder ein spritziger galicischer Weißwein, z.B. ein deliziöser fruchtig- aromatischer Albariño der D.O. Rías Baixas aus der Albariño Traube, aus der auch der portugiesische Vinho Verde gekeltert wird.



Kommentare:

Anabel hat gesagt…

Ein sehr interessanter Bericht über die Pimientos de Padrón von Galicien.

Falls es Ihnen interessiert, es gibt in der Internetseite von Turgalicia eine Broschüre über die Galicische Küche "Cocina Atlántica", die Sie downloaden können, oder wir können Ihnen die Broschüre kostenlos zusenden. Diese ist aber leider nur auf Spanisch verfügbar.

Schöne Grüße aus dem grünem Spanien.

Anabel
Twitter: @BelTurgalicia
Facebook: anabel.cmturgalicia

Aus meinem Kochtopf hat gesagt…

Hallo Margit,
ist das tatsächlich so, dass es sich NICHT um eine Herkunftsbezeichnung handelt?
Oder haben die Leute vor Ort nur versemmelt sich den Namen rechtzeitig schützen zu lassen?

Fragt sich und Dich
Peter

Margit Kunzke hat gesagt…


@ Peter: Die Chilisorte Pimiento de Padrón wurde im 16. und 17. Jahrhundert vom Franziskaner Kloster Herbón erstmals nach Spanien gebracht und in und um Herbón angepflanzt. Sie wächst heute in Galicien u.a. in den Weilern Padrón, Dodro, Rois, Pontecesures und Valga, die verwaltungstechnisch zu Herbón gehören. Da die Sorte Pimientos de Padrón auch in Almería, Murcia, Valencia und Marokko angebaut wird, bekamen die echten Pimientos de Padrón aus Galicien die Herkunftsbezeichnung Pimientos de Herbón D.O., um sie von den anderen unterscheiden zu können.